Horses of the world

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Die Kunst des barocken Reitstils

Gastador VIII, Sieger der Spanischen Meisterschaft 1985 - 1991
(Gestüt Cardenas)

 

Ein Markt, der seine Grenzen sucht

Das Interesse an iberischen Pferden stieg vor allem in Deutschland und der Schweiz gewaltig, seit die Halbinsel der Pferdepest Herr werden konnte. Diese Krankheit hatte die Grenzen zwischen 1989 und 1993 hermetisch abgeriegelt. Zahlreiche Reiter und Besitzer entschlossen sich für den Kauf eines dieser "Traumpferde", ohne die hohen Anforderungen und die Auswahlkriterien zu kennen. So war es für skrupellose Händler und Reitlehrer, die sich Anhänger oder Schüler der klassischen Reitkunst nannten, ein Leichtes, goldene Geschäfte auf einem Markt mit grosser Nachfrage und wenig Ansprüchen zu realisieren


Ein Pferd kaufen? Ja, aber vorher muss man es beherrschen

Von der Form und der Genetik her unterscheidet sich das iberische Pferd wesentlich von den anderen Pferderassen. Die Zucht und die Dressur werden unter Umständen vorgenommen, welche im Rest von Europa wenig bekannt sind. Der Reitstil, obwohl er eigentlich aus der klassischen, traditionellen französischen Reitschule stammt, unterscheidet sich in der heutigen Ausübung von Geschick und Haltung deutlich von dem der nordeuropäischen Zuchtgestüte. Bescheidenheit gehört, auf die menschliche Seite bezogen, leider nicht immer zu den Qualitäten im Mikrokosmos des Pferdes. Wenig Amateurreiter oder berufliche Reitlehrer akzeptieren zum Beispiel eine Ausbildung während eines Aufenthaltes in Spanien oder Protugal, obwohl der barocke Reitstil schon angewendet wird, bevor man auf seinen zwei Beinen stehen kann.


Werburg durch ein einzelnes Pferd

Während den letzten Jahren gab es in Westeuropa, vom Süden bis zum Norden, immer mehr Reitställe, die sich vornehmlich auf den barocken Reitstil spezialisiert haben. Eine ganze Menge von Reitern begrüssen sich unter Beihilfe des Titels "Grosser Meister" und beeindrucken ihre Kundschaft mit spektakulären Auftritten, obwohl diese Nummern vielfach nur von einem einzigen Pferd ihres Reitstalls ausgeführt werden. Dieses "Zugpferd", das vielfach die weniger attraktiven mitzieht, stammt aus der iberischen Halbinsel und war beim Kauf schon dressiert und abgerichtet für öffentliche Auftritte. Solche Pferde sind ausgebildet, um das gesamte Dressurprogramm des barocken Reitstils zu zeigen und können auch von Kindern im unteren Alter geritten werden.
 

Der wahre Dresseur ist fähig, ein Fohlen vom Einreiten bis zu den Übungen der hohen Schule abzurichten

Nicht jedermann kann sich Dresseur nennen. Mit anderen Worten; mehrere Jahre Studium können aus uns einen Musiker, jedoch noch keinen Orchesterchef machen. Der wahre Dressurreiter arbeitet im Staub der Manege, den Schweiss auf der Stirn, mit Krämpfen in den Fingern, den Vorderarmen und den Schenkeln vor lauter Uebungen der Paraden, dem Schwingen der Peitsche und den Anweisungen durch die Beine. Die Arbeit geschieht im Stillen, jedoch mit ersichtlicher Wirkung, Tag für Tag, Woche für Woche. Es nützt nichts, ein junges Pferd einem Reiter mit noch so viel Stil und Eleganz anzuvertrauen, wenn er die nötige Ausbildung und das Talent eines Dresseurs nicht besitzt. Im Gegenteil, die Chancen auf Erfold und die Zukunft des Pferdes verringern sich, wertvolle Zeit und viel Geld gehen verloren. Leider kommt es immer wieder vor, dass wenig begabte Reitlehrer sehr schnell behaupten, das Pferd sei nicht gut genug, zeige zuwenig Arbeitswillen, sei gestresst und nervös und man müsse halt Geduld haben. Genau auf diese "Geduld" zählen viele skrupellose Fachleute, um ihre Honorare und Unterkunftskosten zu kassieren.
 

Warum sind die spanischen Reinrasser so gesucht?

Der spanische Reinrasser ist sogesagt ein Luxuspferd und grosse Kenner behaupten, dass seine Noblesse und seine Intelligenz aus ihm das beste Pferd der Welt machen. Es ist ausser Frage, dass der spanische Reinrasser durch seine Schönheit, seine Formen und die Anmut seines Ganges besticht. Sein grösster Vorteil gegenüber anderen Rassen besteht jedoch darin, das er mehr lernen und die Dressurlektionen viel schneller aufnehmen kann.

UNICO XXIX, (Gestüt Salvador Cortès)

 

Die Qualität zu einem goldenen Preis

Die Wiedereröffnung der Grenzen nach mehreren Jahren der Pferdepest hat dem Export von mehr oder weniger reinen Rassepferden von Spanien nach dem Rest von Europa und dem amerikanischen Kontinent Aufschwung gegeben. Gleichzeitig haben sich die Preise für qualitativ hochstehende Pferde innert zehn Jahren verzehnfacht. Die neuen "Senoritos" profitieren von diesem fast unwahrscheinlichen, spanischen Wirtschaftwunder und machen es zur Mode, sich während den "Ferias" im Sattel von hochwertigen Pferden sehen zu lassen. Es ging soweit, dass die besten spanischen Reinrasser auf dem einheimischen Markt zu Rekordpreisen in sechsstelliger Höhe verkauft wurden, ohne sie nach Kolumbien oder Mexiko liefern zu müssen. Im Moment erreicht ein ausgezeichneter Vertreter der spanischen Reinrasser einen Wert von 30'000 bis 90'000 Euros. Es ist jedoch zu unterstreichen, dass die grossen Züchter ihre besten Hengste zu keinem Preis verkaufen.