Das Rennen gegen die Zeit läuft
Der erste Wettkampf der World Equestrian Games (WEG) im
andalusischen Jerez de la Frontera hat bereits begonnen:
Jener gegen die Zeit. Denn bevor am 10. September die
grössten Reiterspiele aller Zeiten für insgesamt sieben
Disziplinen eröffnet werden, gibt es unter der Sonne
Spaniens noch jede Menge zu erledigen. Die PferdeWoche hat
sich vor Ort ein Bild über den Stand der Dinge gemacht.
Ohrenbetäubende Presslufthammer, jede Menge Staub und
Riesenbagger die zerbrochene Betonplatten wegschleppen: Das
Olympiastadium Chapin, drei Kilometer östlich von
Stadtzentrum von Jerez de la Frontera entfernt, ist zur Zeit
eine einzige Grossbaustelle.
"Ein Streik und wir sind erledigt"
Francisco Canero Cuadrado schwitzt unter seinem weissen
Bauhelm. Nicht nur weil die Sonne heiss vom andalusischen
Himmel brennt, sondern weil sich der Verantwortliche für die
Infrastrukturen der WEG wieder einmal bewusst wird, was es
bis Anfang September noch alles zu erledigen gibt. "Ein
Streik - und wir sind erledigt", stöhnt er.
Noch deutet nichts auf dieser 60 Hektaren grossen Baustelle
darauf hin, dass hier in einem knappen Dreivierteljahr die
besten Pferde der Welt um WM-Titel und Medaillen kämpfen.
Arbeit in zwei Schichten
Unter der Erde sind jedoch die notwendigen Arbeiten bereits
erledigt, Drainagen eingebaut und Leitungen verlegt. Und an
den Bauten über der Erde wird zur Zeit im
Zwei-Schichtbetrieb geschuftet. Vom ehemaligen
Fussballstadium ist nicht viel mehr als ein Skelett aus
Armierungseisen übrig, die Tage der blassrot-ausgebleichte
Tartanbahn sind gezählt. Nach dem Umbau, welcher im Juni des
letzten Jahres verspätet begonnen hat, steht hier Chapin I,
die Hauptarena der Spiele.
25'000 Zuschauer finden Platz auf den Sitzen, welche noch
gar nicht erstellt sind, aber schon seit Aachen verkauft
werden. In diesem offenen Hauptstadium werden die
Eröffnungs- und die Schlusszeremonie sowie die Spring- und
Dressurwettbewerbe ausgetragen. Gedeckte Tribünen - wohl
eher zum Schutz vor der Sonne als vor dem seltenen Regen -
befinden sich ebenfalls im Bau.
Unmittelbar dahinter entsteht - auch auf einem ehemaligen
Fussballplatz - das Nebenstadium Chapin II. Auf den temporär
erstellten Tribünen werden 8000 Personen Platz finden, um
sich Dressur und Springen der Vielseitigkeit sowie das die
Dressur und den Hinderniskurs der Fahrer anzusehen.
Neuer gedeckter Sportpalast
Für Voltige und Reining, welches als siebte Disziplin
erstmals an Weltreiterspielen vertreten ist, wird zur Zeit
Chapin III, ein neuer gedeckter Sportpalast für 6000
Zuschauer, aus dem Boden gestampft. Die Fertigstellung ist
für März geplant. "Diese Baustelle ist mein persönlicher
Stolz, denn hier entsteht eine der modernsten Sporthallen
Europas", erklärt Francisco Canero Cuadrado. Sorgen bereitet
ihm allerdings der Boden. Dieser muss nach den
Voltige-Wettbewerben in der ersten Woche ausgetauscht werden,
weil das Reining völlig andere Anforderungen an den Belag
stellt. "Noch suchen wir zusammen mit Spezialisten nach der
besten Lösung", sagt Cuadrado.
Neben diesen drei Arenen sind bereits grosse Sandvierecke
mit einer Gesamtfläche von über 30'000 Quadratmetern als
Trainings- und Aufwärmarenen fertiggestellt. Hier wurde Ende
September 2001 auch die Dressur des Test-CCI** durchgeführt.
Um die grosszügigen Vierecke und Paddocks führt eine
Galoppstrecke, welcher später dem Turfclub Jerez als
Rennbahn dienen wird.
Auf der gegenüberliegenden Seite, in der gepflegten Anlage
des ehemaligen Tennisclubs befindet sich das Grooms-Village,
wo den Pferdepflegern neben dem Clubhaus auch ein eigener
Swimmingpool zur Verfügung steht. Dafür müssen die Grooms zu
den Ställen quer über das Gelände laufen.
Platz für 800 Pferde
Die Boxen befinden sich zwischen dem Nebenstadium Chapin II
und Chapin III. Ein permanentes Stallgebäude im
andalusischen Stil wurde bereits vor einem Jahr
fertiggestellt. 100 Pferde finden in den grossen, hellen
Boxen Platz. Zur Zeit wird das Gebäude von rund 20 Polizei,
Schul- und Privatpferden "bewohnt". Daneben werden in Chapin
und im zweiten Austragungsort Garrapilos temporäre
Stallungen für weitere 700 Pferde aufgebaut.
Noch wird über deren Belegung heftig diskutiert. Der Plan
der Organisatoren, die Pferde nicht wie üblich nach Nationen,
sondern nach Disziplinen einzustellen, stösst auf den
Widerstand der Equipenchefs. Unglücklich ist die Lösung auch
für die Fahr- und die Vielseitigkeitspferde, welche zwischen
den 17 Kilometer auseinander liegenden Austragungsorten
Chapin und Garrapilos "pendeln" müssen. Die Endurancepferde
sind die einzigen, welche ausschliesslich auf dem Gelände
des Militärgestüts Garrapilos eingestallt sind. Ihre 160 km
lange Wettkampf-Strecke führt durch eine schöne, aber
trockene Sierra-Landschaft mit sanften Hügeln.
Garrapilos ist bereit
Neue Gebäude mussten in Garrapilos nicht erstellt werden.
Der administrative Bereich, Verpflegung, oder das
Pressezenter sind in Zelten oder mobilen Containern
untergebracht. Der Bau der Geländestrecke für die
Vielseitigkeitsreiter und die Viererzug-Fahrer ist
rechtzeitig auf die beiden Test-Events im September 2001
fertig geworden. Fast zwei Jahre lang hatte sich der
britische Coursedesigner Mike Tucker mit dem
Weltmeisterschaftskurs befasst, hat die Strecke geplant und
Hindernisse entworfen. Die beiden ziemlich nahe beieinander
liegenden Wasserkomplexe wurden neu erstellt. Sie sind so
angelegt, dass sie sowohl für die Vielseitigkeit als wie
auch für den Fahrmarathon genutzt werden können. Zur
Speisung der Teiche wurden 5000 Meter Bewässerungsleitungen
verlegt. Sie verlaufen zum Teil oberirdisch und zaubern
damit ein kleines Bächlein in die trockene Landschaft. Beim
Entwurf der Strecke arbeitete Mike Tucker Hand in Hand mit
dem Holländer Arjan Brink, welcher für die Fahrstrecke
verantwortlich ist.
Im vergangenen Juni war das erste Gras auf dem Steeple und
der Crossstrecke angesät worden. Damit das zarte Grün im
heissen andalusischen Sommer nicht verdorrt, wurde die
Strecke mit Sprinkleranlagen und vielen Tausend Litern
Wasser aus einem nahem Fluss feucht gehalten.
Von Hitze über Regen alles möglich
Die grosse Hitze war dann auch ein Problem bei den Fahrern
und ihren Pferden, welche ihren Probelauf Mitte September
vor rund 3000 Zuschauern absolvierten. Die knochentrockene
Strecke mit ihren sechs Hindernissen wies stellenweise
einige sandige oder erdige Abschnitte auf, so dass bei den
Vierspännern die hinteren Pferde den Staub einatmen mussten,
welchen die vorderen Tiere aufwirbelten.
Eine Sorge, welche die Vielseitigkeitsreiter zwei Wochen
später am Test-CCI** nicht teilten: Am Tag der
Geländeprüfung regnete es ununterbrochen in Strömen. Das war
ein kleiner Schock für die wetterverwöhnten Spanier. "Die
Statistik der letzen 60 Jahre zeigt für den Monat September
einen Niederschlagsdurchschnitt von weniger als einem halben
Liter pro Quadratmeter an, aber das Wetter hier in
Andalusien kann von einem Tag auf den anderen wechseln",
sagte WEG-Generalmanager Antonio Ortiz Rufino. Ein Trost
bleibt dem Organisator: Noch schlechter kann das Wetter
während den WEG kaum sein und bei der Feuerprobe haben sich
Strecke und Austragungsort abgesehen von einigen "Kinderkrankheiten"
bewährt. Die Reiter waren überrascht wie gut der Boden trotz
dem starken Regen hielt und keiner kam mit Zeitfehlern ins
Ziel.
Helander ist zufrieden
Bo Helander, Generalsekretär der FEI, äusserte sich
ebenfalls zufrieden: "Als ich vor ein paar Monaten hier war,
habe ich mir echte Sorgen um die Bodenverhältnisse in
Garrapilos gemacht. Aber die Organisatoren haben in der
Zwischenzeit einen guten Job gemacht und ich bin sehr
zuversichtlich für die Reiterspiele im nächsten Jahr."
Antonio Ortiz Rufino will sich jedoch nicht auf diesen
Vorschusslorbeeren ausruhen: "Bis im nächsten September gibt
es noch eine ganze Menge zu tun. Ich habe alleine an den
beiden Testevents ein ganzes Notizheft mit
Verbesserungsideen gefüllt."
Nun muss ihm nur noch die Zeit bleiben, um sie alle
umzusetzen.
(Nido)
Weitere Informationen und Ticketbestellung:
WEG
Jerez 2002
Organizing Committee
Complejo Deportivo Chapin
Avenida del Polo s/n
11405 Jerez de la Frontera, Spanien
Telefon +34 956 32 67 39, Fax +43 956 32 67 44
Internet:
http://www.jerez2002weg.com
Tickets können Online unter der Angabe der Kreditkartennummer
bestellt werden
Email für allgemeine Anfragen:
info@jerez2002weg.com
Email für Ticketbestellungen:
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