Das Interesse an
iberischen Pferden stieg vor allem in Deutschland und der
Schweiz gewaltig, seit die Halbinsel der Pferdepest Herr werden
konnte. Diese Krankheit hatte die Grenzen zwischen 1989 und 1993
hermetisch abgeriegelt. Zahlreiche Reiter und Besitzer
entschlossen sich für den Kauf eines dieser "Traumpferde", ohne
die hohen Anforderungen und die Auswahlkriterien zu kennen. So
war es für skrupellose Händler und Reitlehrer, die sich Anhänger
oder Schüler der klassischen Reitkunst nannten, ein Leichtes,
goldene Geschäfte auf einem Markt mit grosser Nachfrage und
wenig Ansprüchen zu realisieren
Ein Pferd kaufen? Ja, aber vorher muss man es
beherrschen
Von
der Form und der Genetik her unterscheidet sich das iberische
Pferd wesentlich von den anderen Pferderassen. Die Zucht und die
Dressur werden unter Umständen vorgenommen, welche im Rest von
Europa wenig bekannt sind. Der Reitstil, obwohl er eigentlich
aus der klassischen, traditionellen französischen Reitschule
stammt, unterscheidet sich in der heutigen Ausübung von Geschick
und Haltung deutlich von dem der nordeuropäischen Zuchtgestüte.
Bescheidenheit gehört, auf die menschliche Seite bezogen, leider
nicht immer zu den Qualitäten im Mikrokosmos des Pferdes. Wenig
Amateurreiter oder berufliche Reitlehrer akzeptieren zum
Beispiel eine Ausbildung während eines Aufenthaltes in Spanien
oder Protugal, obwohl der barocke Reitstil schon angewendet wird,
bevor man auf seinen zwei Beinen stehen kann.
Werburg durch ein einzelnes Pferd
Während den letzten Jahren
gab es in Westeuropa, vom Süden bis zum Norden, immer mehr
Reitställe, die sich vornehmlich auf den barocken Reitstil
spezialisiert haben. Eine ganze Menge von Reitern begrüssen sich
unter Beihilfe des Titels "Grosser Meister" und beeindrucken
ihre Kundschaft mit spektakulären Auftritten, obwohl diese
Nummern vielfach nur von einem einzigen Pferd ihres Reitstalls
ausgeführt werden. Dieses "Zugpferd", das vielfach die weniger
attraktiven mitzieht, stammt aus der iberischen Halbinsel und
war beim Kauf schon dressiert und abgerichtet für öffentliche
Auftritte. Solche Pferde sind ausgebildet, um das gesamte
Dressurprogramm des barocken Reitstils zu zeigen und können auch
von Kindern im unteren Alter geritten werden.
Der wahre Dresseur ist fähig, ein Fohlen vom
Einreiten bis zu den Übungen der hohen Schule abzurichten
Nicht jedermann kann sich
Dresseur nennen. Mit anderen Worten; mehrere Jahre Studium
können aus uns einen Musiker, jedoch noch keinen Orchesterchef
machen. Der wahre Dressurreiter arbeitet im Staub der Manege,
den Schweiss auf der Stirn, mit Krämpfen in den Fingern, den
Vorderarmen und den Schenkeln vor lauter Uebungen der Paraden,
dem Schwingen der Peitsche und den Anweisungen durch die Beine.
Die Arbeit geschieht im Stillen, jedoch mit ersichtlicher
Wirkung, Tag für Tag, Woche für Woche. Es nützt nichts, ein
junges Pferd einem Reiter mit noch so viel Stil und Eleganz
anzuvertrauen, wenn er die nötige Ausbildung und das Talent
eines Dresseurs nicht besitzt. Im Gegenteil, die Chancen auf
Erfold und die Zukunft des Pferdes verringern sich, wertvolle
Zeit und viel Geld gehen verloren. Leider kommt es immer wieder
vor, dass wenig begabte Reitlehrer sehr schnell behaupten, das
Pferd sei nicht gut genug, zeige zuwenig Arbeitswillen, sei
gestresst und nervös und man müsse halt Geduld haben. Genau auf
diese "Geduld" zählen viele skrupellose Fachleute, um ihre
Honorare und Unterkunftskosten zu kassieren.
Warum sind die spanischen Reinrasser so
gesucht?
Der spanische Reinrasser ist
sogesagt ein Luxuspferd und grosse Kenner behaupten, dass seine
Noblesse und seine Intelligenz aus ihm das beste Pferd der Welt
machen. Es ist ausser Frage, dass der spanische Reinrasser durch
seine Schönheit, seine Formen und die Anmut seines Ganges
besticht. Sein grösster Vorteil gegenüber anderen Rassen besteht
jedoch darin, das er mehr lernen und die Dressurlektionen viel
schneller aufnehmen kann.
UNICO XXIX, (Gestüt Salvador Cortès)
Die Qualität zu einem goldenen Preis
Die Wiedereröffnung der
Grenzen nach mehreren Jahren der Pferdepest hat dem Export von
mehr oder weniger reinen Rassepferden von Spanien nach dem Rest
von Europa und dem amerikanischen Kontinent Aufschwung gegeben.
Gleichzeitig haben sich die Preise für qualitativ hochstehende
Pferde innert zehn Jahren verzehnfacht. Die neuen "Senoritos"
profitieren von diesem fast unwahrscheinlichen, spanischen
Wirtschaftwunder und machen es zur Mode, sich während den "Ferias"
im Sattel von hochwertigen Pferden sehen zu lassen. Es ging
soweit, dass die besten spanischen Reinrasser auf dem
einheimischen Markt zu Rekordpreisen in sechsstelliger Höhe
verkauft wurden, ohne sie nach Kolumbien oder Mexiko liefern zu
müssen. Im Moment erreicht ein ausgezeichneter Vertreter der
spanischen Reinrasser einen Wert von 30'000 bis 90'000 Euros. Es
ist jedoch zu unterstreichen, dass die grossen Züchter ihre
besten Hengste zu keinem Preis verkaufen.
In Schöneschach bei
Bad Wörishofen befindet sich die private Reitanlage von Jutta
Wiesner, die dort in Ihrer Freizeit Pferde und Reiter nach den
Grundsätzen der klassischen Reitkunst ausbildet. Dabei wird
sie von der gesamten Familie tatkräftig unterstützt, ohne
deren Mithilfe ein reibungsloser Ablauf im Stall und in der
Reithalle nicht denkbar wäre.
Als langjährige
Schülerin von Brigadier Kurt Albrecht, dem ehemaligen Leiter
der spanischen Hofreitschule in Wien, hatte Jutta Wiesner die
Gelegenheit die unterschiedlichsten Pferde unter dessen
Aufsicht und Anleitung zu arbeiten und von dessen wertvollem
Wissen und Erfahrungen zu profitieren. Bei der Teilnahme an
einem Dressurlehrgang hatte Jutta Wiesner Kurt Albrecht 1987
in Memmingen kennengelernt. Hier bekam sie einen ersten
Einblick in die Tiefen der klassischen Dressurlehre und
erkannte wie wichtig die Qualität des reiterlichen Sitzes und
die intensive Beschäftigung mit der Theorie für die
Pferdeausbildung sind. Es folgten weitere Lehrgänge bei Herrn
Albrecht und das Interesse an der klassischen Reitkunst und
den eng damit verbundenen Barockpferden wuchs und wurde immer
größer. Brigadier Kurt Albrecht verdankt Jutta Wiesner sehr
viel, nicht zuletzt, daß sie diesen herausfordernden und
befriedigenden Weg in der Reiterei gefunden und eingeschlagen
hat.
Ihr Anliegen ist
es, die Grundsätze der klassischen Dressurausbildung zu
erhalten und weiterzugeben. Denn gerade diese Grundsätze
geraten in der heutigen Zeit immer wieder in Vergessenheit.
Dabei haben ihrer Meinung nach gerade die altüberlieferten
Erkenntnisse zeitlose Gültigkeit und sind Grundlage für jede
erfolgreiche und vor allem befriedigende Ausbildungsarbeit mit
dem Pferd, nicht zuletzt auch für den heutigen modernen
Dressursport.
Zur Zeit befinden
sich in Schöneschach zwei Andalusierhengste, zwei
Lusitanohengste und zwei Lipizzanerhengste in Ausbildung.
Deren Ausbildungsstand reicht vom gerade angerittenen Pferd
bis hin zu einem Stadium, in dem Lektionen wie Einerwechsel,
Piaffe, Passage und Pirouetten erarbeitet und verbessert
werden. Die kleine Reitanlage bietet hierzu die idealen
Voraussetzungen und gewährleistet, daß mit jedem Pferd in Ruhe
und Konzentration gearbeitet werden kann. Neben der Reithalle,
in der die eigentliche Ausbildungsarbeit stattfindet, stehen
auch Paddocks, Hengstkoppeln und eine Führanlage zur
Verfügung.
Im Frühjahr 2000 entdeckte ein Scheizer während seines Urlaubs
in Andalusien eine wunderschönen, hochveranlagten 6-jährigen
P.R.E.-Hengst mit bester Abstammung. Er war so begeistert, daß
er dieses Traumpferd kaufte. Der Ausbildungsstand sowie die
Eignung für die Hohe Schule waren herausragend. Nachdem er das
Pferd gekauft hatte, nahm der neue Besitzer ‚Senador‘ mit zu
sich in die Schweiz. Dort brachte er ihn in einem renommierten
Reitstall in der Umgebung von Genf unter. Zusätzlich beauftragte
er einen professionellen Ausbilder mit dem Beritt des Pferdes um
sein Talent weiter zu fördern.
Leider entwickelte sich nicht alles so, wie es sein sollte. Der
Hengst lebte sich nur schlecht ein und zeigte sich bei der
Arbeit sehr nervös und irgendwie unwillig. Aus diesem Grund
suchte der Besitzer nach neuen Reitern, die entsprechende
Kenntnisse mit der Ausbildung von spanischen Pferden hatten. Ca.
6 Monate lang besuchte er dabei eine Vielzahl von
Ausbildungsställen. Er erhielt die unterschiedlichsten
Ratschläge, die bei der Fütterung anfingen und bei der
‚Bearbeitung‘ des Pferdes aufhörten. Senador selbst baute
während dieser Zeit in jeder Hinsicht ab.
Nach diesem halben Jahr lernte der Besitzer in der Nähe von
Lausanne eine junge Frau kennen, die eine begeisterte Anhängerin
der barocken Reitkunst war. Sie war zwar kein Profi-Ausbilder,
hatte aber mit ihrem eigenen Pferd, das sie selbst ausgebildet
hatte, sehr gute Kenntnisse in Bezug auf die Arbeit und
Ausbildung von Pferden erworben. Die junge Dame erklärte sich
bereit, mit Senador zu arbeiten und kam mit ihm sofort gut
zurecht. In sehr kurzer Zeit erinnerte sich der Hengst wieder an
die bereits in Spanien gelernten Lektionen und ging wieder
Seitengänge sowie Piaffe und Passage. Bei einem Reitunfall
verletzte sich die Reiterin dann leider am Knie und konnte für
einen längeren Zeitraum nicht mehr reiten.
Zu diesem Zeitpunkt interessierte sich der Direktor eines
bekannten Schweizer Zirkus für Senador und wollte ihn aufgrund
seines Exterieurs und der bereits erlernten Lektionen noch vor
der jährlichen Tournee kaufen. Da der Mann aber gerade sehr
beschäftigt war und vielen Verpflichtungen nachkommen mußte,
sollte der Kauf erst drei bis vier Wochen später stattfinden.
Der Besitzer von Senador wollte den Hengst keinesfalls aus dem
Training nehmen und mußte nach einer Alternative suchen. Es tat
ihm sehr leid, daß die junge Reiterin einen Unfall hatte und
jetzt für längere Zeit ausfiel. Sie hatte sich mit dem Pferd
sehr gut verstanden und in der Ausbildung schon einige
Fortschritte gemacht.
Der Besitzer brachte Senador deswegen in einen Reitstall nach
Bayern, in dem es vorwiegend andalusische Pferde gab. Wegen
seinem wunderschönen Aussehen und seinem Charakter wurde Senador
dort schon bald eine Art ‚Lieblingspferd‘. Leider verstand es
auch in diesem Reitstall niemand sich auf das Wesen dieses
Hengstes einzustellen und mit seiner Sensibilität klarzukommen.
In den Monaten, in denen Senador in diesem Stall war, schien
wieder sehr viel verloren, was er noch kurz zuvor ohne Mühe an
Lektionen gezeigt hatte. Er wurde wieder nervöser und die
Verständigung mit ihm wurde wieder schwieriger.
Schließlich stellte der Besitzer den Hengst an einem großen
Pferdefest in Deutschland vor und erhoffte sich hier den Reiter
für Senador zu finden, der das entsprechende Einfühlungsvermögen
haben würde und sich mit ihm verstehen würde. Aber auch diesmal
wurde er nur enttäuscht.
Schließlich lernte er eine junge Frau kennen, die sich schon
seit mehreren Jahren mit der Ausbildung von Barockpferden und
der klassischen Reitkunst intensiv beschäftigt. Der Besitzer
konnte Senador zu ihr in den privaten Reitstall bringen. Jutta
Wiesner, bei der sich der Hengst auch heute noch befindet, kam
sehr schnell mit dem sensiblen Charakter des Pferdes zurecht und
konnte in relativ kurzer Zeit die Ausbildung wieder fundiert
fortsetzen. Heute läßt sich Senador auch problemlos von anderen
Reitern reiten, hat großen Spaß an der Arbeit und erweist sich
als absolutes Traumpferd. Ob in der täglichen Arbeit, im Gelände
oder bei Vorführungen, er zeigt sich ausgeglichen und immer von
seiner besten Seite.
Ein umfangreiches Showprogramm, Reitturnier und Zuchtschau,
eingebunden in eine einmalige Feria-Stimmung mit vielen Ständen,
Tapas, Musik und spanischem Reitzubehör, erwarten Sie auch in
diesem Jahr.
Weitere Informationen erhalten Sie demnächst unter:
www.Tag-des-Iberischen-Pferdes.de
Ergebnisse / Fotogalerie 2003
Alle Ergebnisse der Funcionalidad, Spezialpreise,
Zuchtschauen sowie derDressurprüfung
finden Sie unter:
www.Tag-des-Iberischen-Pferdes.de
Lassen Sie Ihre Erinnerungen noch einmal aufblühen und
schauen sich die Fotogalerie der letzten Veranstaltung an. Lesen
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